05 Oktober 2009

Die Bienentiere der Piraten

Die Bienentiere der Piraten

Die Sonne verschwand hinter dem Horizont und die Glühwürmchen waren ihres andauernden langsamen und kraftlosen Blinkens müde. Am Himmel waren nur wenige graue Wolken welche den purpurfarbenen Himmel überquerten. Der Tag starb langsam vor sich hin und alles wurde vom seidenen Mantel des Todes umhüllt. Da war auch eine Straße welche sich in der ausgetrockneten Wüste der Welt verlor und auf dieser Straße wanderte er entlang. Er fühlte sich von Wind gestreichelt, apokalyptischer Geruch der in diesen verlassenen Ländereien pfiff.
Die Sonne war schon fast vollkommen verschwunden als es zu regnen begann. Es hatte schon seit tausenden von Jahren nicht mehr in dieser Gegend geregnet, und das Wasser erreichte endlich den Boden, ohne einige Meter über der Oberfläche zu verdampfen. Von allen Richtungen her konnte man ein komisches Knacken wahrnehmen, und er verstand nicht was es war, aber dann sah er es auf einem Felsen, der vor ihm lag. Vom Regen befeuchtet öffnten sich tausende von Rissen in dem Fels, und jeder Riss schien mit seinem schaurigen Knacken tausende von Spannungen, von der Sonne in den Fels gebrannt, zu entlassen. Die verlassenen Ländereien waren von unzähligen knackenden Geräuschen überzogen welche sich in einer Sinfonie der Befreiung zu vermischen schienen. Spalten in den Steinen und Spalten im Boden, welcher hart wie Stein gewesen war, öffneten sich und entließen mit Spannung beladene Wolken in die Luft, und die ganze Wüste verflüssigte sich und wurde ein Meer aus flüssigem Fels und Sand und er begann darin zu schwimmen, er wurde nicht nass, aber fühlte er ebenfalls nicht den Sand in die Falten seines Körpers eindringen. Er schwamm und am Horizont, weit weit entfernt sah er ein mit Piraten überladenes Schiff auftauchen, er lies sich von den Strömungen treiben, welche ihn an keinen Ort brachten, aber die Lust des Wandelns selbst verkörperten, um aus keinem Ort zu kommen und an keinen Ort zu gehen...und Schiffbruch ist mir süß in diesem Meere. Diese ganze Meer aus Fels und Sand schien sich in einen gigantischen Uterus zu verwandeln, und er fühlte das Wohlgefühl des geschaukelt Werdens, den Genuss einfach dort zu sein, im Himmel, im ewigen Frieden, an einem Ort wo es immer Veränderung gib aber nichts sich verändert, im Entzücken dieser Ekstase, für immer in dieser Dimension.
Vielleicht war es das was er immer in den Gesichtern vorbeieilender Frauen gesucht hat. Er hatte sie gehasst, weil er irgendwo in sich fühlte, dass es eine von ihnen gewesen war die ihn aus dem Paradies verjagt hatte. Seit je her, wie ein verzweifelter Schiffbrüchiger suchte er das Paradies in der absoluten Abwesenheit, er hatte immer den Wunsch ein Held zu werden abgelehnt, welcher sich ins Leben stürzt, welcher mit ungeahnter Kraft in die Welt eintaucht, da er den Mut besitzt dem Tode ins Auge zu schauen. Er hatte immer nur nach dem süßen geschaukelt werden der Wellen der Meeres gesucht, und jede Aktivität war zum Feind geworden, denn als die Aktivität in sein Leben getreten war, hatte dies die Vertreibung aus dem Paradies bedeutet, und jede Aktion in der Welt der sprechenden Bäume hatte immer nur diesen Sinne verkörpert: wie konnte er ins Paradies des Uterus zurückkehren? Und so hatte er sich jeglichen Weg zur Evolution versperrt, die Möglichkeit der zentrifugen Spirale in ihrem Sehnen nach Expansion, nach vorne, nach Wachstum zu folgen. Er wollte immer nur wieder ein Kind werden, ein Fötus, und im süßen Ozean verschwinden, der ihn wiegt. Jetzt aber verstand er, dass der richtige Moment gekommen war, diesem dem Tode zugewandten Instinkt gehen zu lassen. Das Leben war jenes, welches sich des Kennenlernens des Neuens erfreute, des unendlichen Experimentierens, neue Kombinationen, neuen Formen und Freuden. Dies war der Lebensinstinkt, der unendliche Wunsch welcher den Geist veranlasste die Welt zu erschaffen, und in ihr zu erleben. Und es verwirklicht sich in dem Moment, wenn das Wesen sich im Symbolischen von der Mutter löst und nicht mehr nach der Vernichtung unter dem Ihrem Leib strebt sondern nach Expansion und dem Erfahren immer neuer Formen, nach dem genießen des Lebensgenusses, nach dem nicht mehr vor den Strömungen erschrocken sein, vor den Energien unglaublicher Kraft, von animalischer Brutalität, welche durch die Welt streifen und welche man kennenlernen, durchdringen und sich von Ihnen durchdringen lassen kann, ein Schwamm in einem größeren Schwamm, von einem riesigen Schmetterling durchdrungen welcher sich im Nichts verliert, welches alles erschafft.
Also sah er wie sich das Piratenschiff näherte, das was er wenige Minuten vorher noch abgelehnt hätte nahm er nun mit großer Freude auf und nach ihnen rufend ließ er sich aufs Schiff heben. Es war der Anfang einer großen Öffnung, jenes wunderbaren Abenteuers, welches das Leben bedeutete.

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